Viele kennen sie bereits aus der Profilbeschreibung von Instagram oder Tiktok, doch werden Pronomen nun auch immer mehr in professionellen Kontexten genutzt – wir finden: Das ist auch gut so! Wieso? Das erfährst du in unserem kleinen FAQ …

Was bedeutet das mit den Pronomen in der Bio eigentlich? 

In den sozialen Medien gehört es mittlerweile zum guten Ton, die eigenen Pronomen in der Profilbeschreibung zu ergänzen. In vielen Ländern bietet Instagram dafür sogar bereits ein eigenes Feld an. Seit neuestem kommen Pronomen auch vermehrt in beruflichen Kontexten zum Einsatz – beispielsweise als Pronomen in der E-Mail-Signatur, im Rahmen von Stellenanzeigen, Online-Meetings und mehr. 

„Aber wozu soll ich denn meine Pronomen angeben? Es wissen doch alle, ob ich ein Mann oder eine Frau bin …

Für viele mag es stimmen, dass ihr äußeres Erscheinungsbild und ihr Name klar einem Geschlechterbild und damit einem Pronomen entspricht. Jedoch geht es hier um Solidarität mit denjenigen, bei denen es eben nicht so kristallklar ist. 

Brechen wir das kurz runter: 

Du siehst eine Person und meistens nimmst du aufgrund des Erscheinungsbildes und den typischen geschlechtlichen Markern an: „Ah, mir steht ein Mann oder eine Frau gegenüber.“

Ganz so einfach ist es aber nicht – wir erklären, warum.

Tschüss Schubladendenken!

Kein Mensch sollte aufgrund äußerlicher Merkmale oder anhand eines Vornamens in eine Schublade gesteckt werden. 

Es gibt viele Vornamen, die geschlechtsneutral sind – aus einem Namen lässt sich nicht ableiten, wie die Person angesprochen werden möchte. Auch können Menschen verschiedene Geschlechtsidentitäten haben und sich einem, keinem oder mehreren Geschlechtern zugehörig fühlen.

Mit der Angabe von Pronomen in der E-Mail-Signatur kann eine Person bestimmen, wie sie angesprochen werden möchte, ohne dabei auf ihr Geschlecht oder äußerliches Erscheinungsbild reduziert zu werden. Dies gibt Personen Handlungsspielraum und Freiheit.

Acht Fragen zu der Angabe von Pronomen 

Was wollt ihr mit der Angabe eurer Pronomen in der E-Mail-Signatur erreichen?

Vor allem wollen wir Unsicherheiten nehmen und zeigen, dass wir füreinander einstehen. Dazu kommt aber noch mehr:

Nicht alle Namen geben gleich Auskunft über die Pronomen. Gerade in internationalen Zusammenhängen kann so ein Pronomen in der E-Mail-Signatur peinlichen Missverständnissen vorbeugen und Misgendering entgegenwirken.

„Liebe:r Kim / Ola / Jessy / … ?!“ 

Wie kann ich meine Pronomen in der E-Mail-Signatur angeben?

Es gibt mehrere Möglichkeiten, wie du Solidarität zeigen und deine Pronomen in die Signatur integrieren kannst. Hier ein paar Beispiele:

Fynn Müller (sie / she) 

UX-Design
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Fynn Müller (dey / they) 

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Fynn Müller (er / keine Pronomen)

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Ich freue mich über genderneutrale Anreden, wie zum Beispiel „Guten Tag Fynn Müller“ oder „Hallo Fynn“.

Fynn Müller
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Da es nicht immer abzuleiten ist, teilen Sie mir gerne mit, wie Sie angesprochen werden möchten. Meine Pronomen sind er / ihm.

Fynn Müller
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Meine Pronomen sind sie / she. Mehr über die Angabe von Pronomen in der Signatur erfahrt ihr hier.

Wir haben uns für eine schlichte Variante entschieden, bei der wir die jeweiligen Pronomen – in Klammern gesetzt, zum Beispiel „(sie / she)“ – neben unserem Namen angeben. Egal, wofür du dich entscheidest: All diese Maßnahmen zeigen Solidarität und bringen uns ein Stückchen weiter.

Meine Pronomen stimmen mit meinem Name und Erscheinungsbild klar überein. Wieso soll ich Pronomen angeben?

Kurz gesagt: aus Solidarität! 

Versetze dich in die folgende Lage: Du bist die einzige Person in einem Raum, bei der es nicht auf den ersten Blick „klar ist“. Als einzige Person in einem Zoom-Raum musst du deine Pronomen angeben und stichst damit heraus. Das fühlt sich nicht gut an! 

Indem wir alle in einem Raum unsere Pronomen angeben, muss sich keine:r mehr so fühlen. Alle sind gleich und es entstehen keine unangenehmen Fragen.

Die Pronomen sind nicht dafür da, um anderen deine Geschlechtsidentität aufzudrücken. Es geht darum, deine Pronomen, die für dich ganz offensichtlich erscheinen mögen, offen darzulegen, sodass Menschen, bei denen es nicht so offensichtlich ist, keinen Nachteil haben.

Sollte nicht das Ziel sein, dass wir alle keine Pronomen angeben müssen?

Als Utopie teilen wir es durchaus, dass Geschlecht keinen oder viel weniger Stellenwert in unserer Gesellschaft einnehmen soll. Und in der sich keine.r für das eigene Dasein rechtfertigen muss. Doch Fakt ist, dass nach wie vor zahlreiche Menschen aufgrund ihres Geschlechts, ihres äußeren Erscheinungsbildes oder ihrer Identität diskriminiert werden. 

Solange das die Realität der Betroffenen darstellt, ist es unserer Meinung nach keine sinnvolle Option, auf die Nennung von Pronomen zu verzichten. Ganz im Gegenteil –  es ist an der Zeit, Solidarität zu zeigen und gerade deswegen eine Notwendigkeit, dass alle ihre Pronomen angeben. 

Wieso nicht einfach (m/w/d) angeben?

Die Angabe „(m/w/d)“ kennen wir aus Stellenanzeigen. Dort wird sie verwendet, um die Ansprache an Jobsuchende offener zu gestalten und nicht mehr in den Kategorien „männlich/weiblich“ zu denken, sondern auch die Kategorie „divers“ zu integrieren.

Diese Angabe hat mit der Angabe von Pronomen erst einmal gar nichts zu tun. Denn bei der Angabe „(m/w/d)“ geht es darum, möglichst divers in Sachen „Geschlecht“ zu denken. Bei der Angabe von Pronomen geht es darum, die Möglichkeit zu ergreifen, deinem Gegenüber zu vermitteln, wie du angesprochen werden möchtest.

Pronomen und „(m/w/d)“ zielen also nicht wirklich auf dasselbe ab. 

Wie spreche ich nicht-binäre Menschen an?

Lass uns diese Frage doch gleich mit einem Beispiel beantworten: 

Nicht-binäre Menschen, also Menschen, die sich keinem Geschlecht zuordnen können eine Vielzahl an Pronomen oder Neopronomen verwenden. Manche nutzen auch ihren Namen als Pronomen. Du kannst sie beispielsweise so ansprechen:

„Hallo Jade“ oder „Hi Vorname Nachname“ oder „Guten Tag Vorname Nachname“

Schau dir dazu gerne Geas tolles Video dazu auf Instagram an: „Wie spreche ich über Menschen ohne Pronomen“ / @quintohumans 

Das ist doch ein Thema für junge Menschen in den sozialen Medien. Wieso soll ich mich damit im Arbeitsleben beschäftigen?

Indem du deine Pronomen in deiner E-Mail-Signatur angibst und somit in dein Arbeitsleben integriert, zeigst du Solidarität mit Menschen, die in vielerlei Hinsicht diskriminiert oder ausgeschlossen werden. 

Du machst darauf aufmerksam, dass ein Name nicht auf die Form der Ansprache schließen lässt. Und die gesellschaftlich etablierten Annahmen bezüglich „männlicher“ oder „weiblicher“ Namen nicht immer korrekt oder auch gar nicht unbedingt möglich sind. 

Und auch wenn manche das Gefühl haben, sie seien zu alt dafür: Alle Altersgruppen setzen sich mit ihrer Geschlechtsidentität auseinander. Wie, wo und ob das Ganze auf Social Media oder am Arbeitsplatz thematisiert wird, ist ganz individuell und lässt sich auf kein bestimmtes Alter beschränken. 

Und da der Großteil unserer Menschheit berufstätig ist, sollte die Angabe von Pronomen auch im Arbeitsleben ein Thema sein. 

Wir halten fest – auch wenn es deine eigene Realität nicht widerspiegeln mag, ist es wichtig, sensibel und respektvoll mit der anderer umzugehen. Denn das Wohlbefinden unserer Mitmenschen geht uns alle etwas an, und ist definitiv keine Frage des Alters oder des Umfelds.

Wusstest du schon?

Die Diskussion rund um Geschlechtsidentitäten erscheint für viele als neuartig. Dabei gibt es diese Debatte und vor allem die betroffenen Menschen schon ganz lange! Kennt ihr beispielsweise schon Stormé DeLarverie, Sylvia Rivera oder Marsha P. Johnson?

Es erscheint einigen vielleicht so neu, da es nun endlich so ist, dass sich immer mehr Menschen trauen, offen darüber zu sprechen. Das sollten wir ermutigen, oder? 

Was kann ich tun für eine Welt, in der sich alle mit ihrer Geschlechteridentität wohl fühlen?

Lass uns bis dahin einander unterstützen! Eine einfache, jedoch bedeutsame Geste, um deiner Solidarität Ausdruck zu verleihen, wäre zum Beispiel die Angabe von Pronomen in der E-Mail-Signatur. ;)

Aber natürlich auch noch viel mehr: Sprich mit deinem Umfeld über diese Themen, informiere Personen in deinem Umfeld, wenn diese in deinem Beisein Personen misgendern oder einen falschen Namen nutzen. 

Natürlich immer respektvoll – nicht jede:r hat gleich böse Absichten.

Achtung – alles zu seiner Zeit!

Wichtig ist, dass du keine:n dazu drängst, die eigenen Pronomen anzugeben. So wichtig es auch sein mag: Indem du eine Person zu sehr unter Druck setzt, bringst du die Person vielleicht dazu, sich ungewollt zu outen oder die falschen Pronomen anzugeben. Das soll natürlich nicht passieren. Denn jede:r hat sein eigenes Tempo und das sollte respektiert werden.

Dennoch kannst du andere durch das Angeben deiner Pronomen in der E-Mail-Signatur oder anderswo dazu animieren das Gleiche zu tun – und zwar ganz ohne Druck. ;)

Kleines Glossar

  • non-binary / enby / nicht-binär: Personen, die sich keinem (binären) Geschlecht zuordnen.
  • trans oder transgender: Personen, die sich nicht dem bei Geburt zugeordneten Geschlecht zugehörig fühlen und ein anderes Geschlecht für sich wählen.
  • inter*: Personen, die bei Geburt weder einem männlichen noch einem weiblichen Geschlecht zugeordnet werden können. 
  • cis oder cisgender: Personen, die sich dem bei Geburt zugeteilten Geschlecht zugehörig fühlen.
  • binäres Geschlechtersystem: Die Einteilung in „männlich“ und „weiblich“ ab der Geburt nach äußerlichen Merkmalen – vor allem in westlichen Gesellschaften sehr fest verankert. 
  • gender-fluid: Menschen, deren Geschlecht sich abhängig von Zeit und Situation verändern kann. Ob sich die Person einem, keinem oder mehreren Geschlechter zuordnet, bleibt veränderbar.
  • Neopronomen: Die Wortneuschöpfungen „sier“, „dey“ oder auch „xier“ stellen in der deutschen Sprache eine genderneutrale Option dar, mit der sich die Pronomen „sie“ und „er“ umgehen lassen. Es gibt um die 60 bis 80 Neopronomen in der deutschen Sprache. Häufig wird im Deutschen auch einfach der Name als Pronomen genutzt. 

Fazit: Pronomen – eine Geste der Solidarität

Lasst uns einander respektieren und unsere Wünsche ernst nehmen!

Wir leben in einer ziemlich verrückten Welt, in der alles ein bestimmtes Label braucht, um anerkannt, gesehen oder verstanden zu werden. Solange das der Fall ist und eine klare Zuordnung zu (k)einem Geschlecht in unserer Gesellschaft von Bedeutung ist, sollten wir Menschen mit ihren gewünschten Pronomen ansprechen. 

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