Im Interview
Gründerinnenzentrale

Wer in Berlin als Frau ein Business gründen möchte, kennt diese Anlaufstelle sicher: Die Gründerinnenzentrale. Mitten in Berlin sind sie Erstanlaufstelle für alle Fragen zum Thema Existenzgründung. Und zwar nur für Frauen.

ACB hat sich gefragt, was die Frauen der Gründerinnenzentrale zum Thema Webpräsenz von Gründerinnen zu sagen haben und hat dazu ein erfrischendes Interview mit Antje Ripking abhalten dürfen. Antje ist selbst ausgebildete Grafikdesignerin und arbeitet seit 2006 als Projektleiterin bei der Gründerinnenzentrale. Und wie zu erwarten bei der Gründerinnenzentrale waren ihre Antworten informativ, hilfreich und pointiert.

Aber lest selbst! Viel Spaß beim Interview!

Hallo Antje! Willst Du die Gründerinnenzentrale kurz vorstellen?

„Die Gründerinnenzentrale – Navigation in die Selbstständigkeit ist eine Erstanlaufstelle für Frauen in Berlin, die den Gedanken tragen, sich selbstständig zu machen. Es ist ein niederschwelliges Erstangebot, jede Frau kann zu uns kommen. Wir beraten nicht selbst, sondern wissen, wo es gute Beratung gibt. Wir bieten Orientierungsgespräche an und arbeiten viel rund um das Thema Netzwerken und Unterstützung, wie z.B. durch unsere Themenabende, Netzwerkabende, Finanzierungsforen, Kreativforen, Erfolgsteams, Kompetenzteams u.s.w.!“

Was ist das Besondere daran, dass ihr nur Frauen beratet?

„Wir sind aus der Weiberwirtschaft hervorgegangen, das ist ein Unternehmerinnenzentrum, das gleichzeitig eine sehr große Frauengenossenschaft ist. In deren Büro kamen immer wieder Fragen unterschiedlichster Art zum Thema Existenzgründung auf. Da das nicht der unmittelbare Zweck der Weiberwirtschaft war, ist dieser Bedarf entstanden, nach einer Stelle, die sich damit befasst.“


Und warum wir das machen: Weil auch heute noch die Rahmenbedingungen für Frauen leider noch nicht so gut sind, wie die für Männer.

„Wirtschaftsförderung ist auch heute noch tendenziell auf Männer zugeschnitten und nicht auf Frauen. Beispielsweise gründen Frauen heute zu 80% Einzelunternehmen mit einem Finanzierungsbedarf bis 5000 Euro und eher keine Startups. Bei Männern liegt der Wert bei etwa 60%. In dem Bereich ist es schwieriger Gelder beispielsweise durch Banken zu bekommen. Und das ist einer der Gründe, warum wir Frauen fördern möchten.“

Was ist das Besondere am Berliner Markt für Gründerinnen?

„Berlin hat einfach sehr viele Angebote für Frauen. Es gibt ein rahmenpolitisches Gleichstellungsprogramm. Berlin ist außerdem im Vergleich mit dem Rest Deutschlands Gründerinnenhauptstadt, die Gründungszahlen liegen hier am höchsten. Das liegt sicherlich an der Vielfalt, die einerseits eine Chance darstellt, andererseits aber auch einRisiko. In Berlin gibt es fast alles und es ist sehr experimentierfreudig und offen, d.h. es werden neue Dinge angenommen. Das ist einfach eine gute Atmosphäre für Gründerinnen. Noch ist es so, auch wenn sich das leider gerade ändert, dass Berlin im Vergleich zu anderen Großstädten günstig ist, was die Lebenserhaltungskosten anbelangt. Das hat sicherlich zu seinem Reiz beigetragen.“

Wie wichtig ist es deiner Erfahrung nach, dass ein Business auch im Internet vertreten ist?

„Es kommt ganz darauf an, was diejenige gründen will. Viele Frauen kommen zu uns und denken, sie bräuchten so schnell wie möglich eine Website. Das ist auch sicher ein Faktor, der eine Rolle spielt. Wir raten aber immer dazu, dass die Gründerin sich erstmal Gedanken machen soll über ihre Zielgruppe und dass sie sich im nächsten Schritt genau damit auseinander setzen soll, was sie mit der Internetpräsenz vermitteln möchte. Eine Website ersetzt nämlich nicht die Akquise und die Werbung, sondern ist nur ein Marketinginstrument von vielen. Außerdem muss man sich darüber klar sein, dass die Website auch gepflegt werden muss. An einer Website hängen ja auch noch andere Dinge mit dran, wie Suchmaschinenoptimierung und generell Maßnahmen, damit die Seite auch gefunden wird. Dann kommt das Problem dazu, dass viele Gründerinnen am Anfang nicht viel Geld zur Verfügung haben. Sie versuchen sich dann teilweise selbst am Webdesign. Dadurch vernachlässigen sie aber ein professionelles Design, was Farben, Schriften und generell die Wirkung auf andere angeht. Das ist dann eher kontraproduktiv.“


Da sollte man sich vorher Gedanken machen: Braucht man die Website wirklich, oder reicht eine „virtuelle Visitenkarte“? Und wenn die Website notwendig ist, sollte man diese wirklich von professioneller Hand machen lassen.

Welche Online-Marketing-Maßnahmen sind denn für den Einstieg besonders gut geeignet?

„Das kommt total auf die Branche an und auf die Zeit, die man zur Verfügung hat. Hat die Gründerin Zeit, Texte zu schreiben? Kann sie das überhaupt leisten? Wie ist es strukturiert? 

Ein Blog kann natürlich super sein, oder eine Website. Jedenfalls für die Frauen, die schreiben mögen.

Aber beispielsweise eine Yogalehrerin, die absolut nicht Technik affin ist und dazu auch nicht schreiben will, ist vielleicht bei Facebook besser aufgehoben, weil das nämlich relativ einfach ist. Das ist schnell aufgesetzt, da kann man sich unkompliziert reinfuchsen.

Es kommt also total drauf an. Ich versuche den Frauen immer klar zu machen, dass es ihre Zeit ist, die sie da verplanen. Sie müssen das strukturieren und einen Plan aufsetzen. Und ganz wichtig, sich überlegen, ob sie das gerne machen, oder ob sie es lieber abgeben wollen.

Zusammengefasst unterliegen die geeigneten Mittel diesen drei Faktoren: Branche, Zeit und Können.“

Man findet online ja alles Mögliche auch kostenlos, vom Website-Baukasten über Marketing-Tools, Guides und Anleitungen. Was kann man denn mit einem geringen Budget deiner Meinung nach selbst machen und ab wann ist es besser, einen Profi zu Rate zu ziehen?

„Da bin ich immer ganz vorsichtig, ich habe nämlich selbst früher Grafikdesign studiert. Wir raten immer, dass sich die Frauen auf das konzentrieren sollen, was sie können. Ein Logo zum Beispiel selbst erstellen, würde ich nicht machen. Ein Logo hat man im günstigsten Fall sein Leben lang, da lohnt es sich auch, das machen zu lassen. Man kann ja klein anfangen, etwa beim Logo, und dann darauf aufbauen.

Wenn die Frau genug Zeit hat für einen Website-Baukasten, dann ist das ja okay, aber dann muss sie sich ganz viel Gedanken machen über die Außenwirkung und auch über Dinge wie Suchmaschinenoptimierung, weil man da einfach so viel verkehrt machen kann. Eine hässliche und undurchdachte Website ist jedenfalls nervig für alle. Auch, wenn sie nicht responsive ist und man sie mobil nicht richtig benutzen kann.

Wir machen immer aufmerksam auf das, was dahinter steckt und dass es mehr ist, als nur das, was man am Ende sieht, so das die Frau weiß, was da wirklich auf sie zukommt. Sie muss das dann sehr gut einplanen, oder einen Profi engagieren, damit sie sich auf ihr Kernbusiness konzentrieren kann.“

Welche Social Media Kanäle kannst du empfehlen für Gründerinnen, falls man das so pauschal sagen kann?

„Es gibt super viel im Netz. Wir selbst benutzen Facebook und sind auf XING vertreten.

XING kann tatsächlich wirklich wichtig sein und Erfolge bringen, was das Networking anbelangt. Ich erwähne meistens auch LinkedIN.

Im Allgemeinen nenne ich Facebook am häufigsten, denn es ist geschmeidig und man kann schnell damit etwas anfangen. Es hat einen leichten Einstieg und es ist sehr divers, man trifft fast jede Zielgruppe an. Dadurch kann man natürlich auch schnell untergehen und da ist es umso wichtiger, dass man sich vorher überlegt, was der Zweck der Facebook-Präsenz sein soll und wie man ihn am Besten erreicht. Das gilt aber natürlich für alle Mittel, wie einen Newsletter oder die Website.

Ich erwähne das alles aber lediglich und verweise dann auf Workshops von den Expertinnen, so wie ihr, die da tiefer einsteigen. Wir machen ja wirklich nur die Vermittlungsarbeit.“

Was sind die häufigsten Anfängerfehler beim Webauftritt, deiner Erfahrung nach?

„Unübersichtlichkeit. Wenn etwas zu schnell und zu unprofessionell was aufgebaut wurde, ohne die Außenwirkung zu beachten. Das Layout allgemein wie z.B. entsetzliche Schriften. Am Wichtigsten ist es aber wirklich, dass eine Seite gut strukturiert ist und nicht chaotisch wirkt. Dafür muss man sich vorher genau Gedanken machen über die Navigation und wie sich die User dann über die Seite bewegen werden. Also immer schön vorher ein Konzept anfertigen.“

Hast Du derzeit ein Lieblingsprojekt, von dem Du sagen kannst, dass da jemand alles richtig gemacht hat in puncto Webauftritt?

Eine meiner Lieblingsgründerinnen ist die Urheberin von Paulinas Friends. Die machen das wirklich super. Sie kommt aus Ungarn und hatte die Idee, Kunst, Kunstgewerbe und Kitsch zusammen zu bringen. Sie hat jetzt einen Online-Shop und auch einen wirklichen Laden eröffnet, in dem Künstler und Kunsthandwerker ihre Objekte zeigen und anbieten können. Mittlerweile ist daraus ein kreatives Netzwerk entstanden, in dem sich die Menschen untereinander beraten. Das ist ein wirklich schön und organisch gewachsenes Projekt. Sie verschicken Newsletter und sind ganz aktiv im Web, haben eine super sympathische und ansprechende Außendarstellung und das Logo finde ich auch super.“

Herzlichen Dank für das Interview!

Geführt von Hannah Magin