Egal, ob es um eure Website, App oder Online-Kampagne geht – mithilfe von User-Tests erhaltet ihr wertvolle Einblicke, wie benutzerfreundlich euer Projekt wirklich ist und könnt eure Usability erhöhen. Ein Test mit echten Nutzer*innen muss kein kostspieliger und zeitaufwendiger Prozess sein. Wir zeigen, dass es anders geht!

Ihr wollt direkt zur Schritt-für-Schritt-Anleitung springen? Hier entlang zur DIY-Anleitung für User-Tests!

Was ist ein Usability-Test?

„Usability” bedeutet Bedienbarkeit oder Benutzerfreundlichkeit – Usability-Tests liefern authentisches Feedback, wie euer Projekt bei Nutzer*innen ankommt. Ihr lasst echte Menschen, die idealerweise eurer Zielgruppe entsprechen, testen und bestimmte Abläufe ausführen, während ihr sie beobachtet. 

Testen kann man eigentlich alles, womit Menschen interagieren:

  • Websites
  • Apps
  • Social-Media-Content
  • Kampagnen
  • Designs und Wireframes
  • Plakate, Logos, Slogans…

Der Phantasie sind also keine Grenzen gesetzt – auch wenn wir uns in diesem Artikel primär mit dem Testing von Websites auseinandersetzen. Der Ein­fach­heit ­hal­ber verwenden wir die Begriffe „User-Test(ing)”, „Usability-Test(ing)” und „Benutzertests” in dem Artikel synonym.

Ihr fragt euch gerade, was dieses ganze Testing überhaupt bringt? 

Mit Usability-Tests könnt ihr zum Beispiel verhindern, das Nutzer*innen gleich wieder von eurer Website verschwinden, da ihr die konkreten Gründe für den Absprung findet. 

Pay attention to what users do, not what they say.

Jakob Nielsen

Manchmal ist der Knackpunkt auch einfach das falsche Wording – zum Beispiel ein Button, der anders benannt werden muss, und schon habt ihr eure Usability maßgeblich optimiert. Oft geht es hierbei um überraschend offensichtliche Schwachstellen.

Aber wer von euch kennt es nicht? Diesen fiesen Tunnelblick, den man bekommt, wenn man zu lange an einer Sache arbeitet… 

Also ganz ehrlich: Fragt ihr euch auch manchmal, wie intuitiv eure Website oder App eigentlich ist und wo ihr überhaupt ansetzen müsst, damit sich eure Nutzer*innen besser zurechtfinden? Dann sind Usability-Tests genau das Richtige für euch!

User-Tests: Wenig Aufwand und wertvolles Feedback

Durch Feedback von echten Nutzer*innen könnt ihr:

  1. Betriebsblindheit vorbeugen
  2. Hürden und Missverständnisse aufdecken 
  3. Konversionen erhöhen

Mit dem Testing könnt ihr Knackpunkte aller Art aufspüren – und es lässt sich viel niederschwelliger durchführen, als ihr vielleicht denkt: 

  • ein User-Test dauert pro Person meist nicht länger als 30 Minuten 
  • drei bis fünf User sind bereits aussagekräftig 

Bereits mit 5 Testpersonen können 85% aller Usability-Probleme in einem Testobjekt aufgedeckt werden.

Studie von Jakob Nielsen

User-Tests liefern euch Antworten auf konkrete Fragen, die ihr euch seit langem immer wieder stellt, zum Beispiel:

  • Wieso wird diese eine Veranstaltung nie gebucht?
  • Warum wird die neue Unterseite nicht aufgerufen?
  • Ist das neue Design wirklich besser – oder eine Verschlimmbesserung?
  • Welche Formulierung spricht das Zielpublikum an?
  • Macht die User-Journey Sinn?

Solch ein Usability-Testing könnt ihr selbst durchführen – weiter unten im Artikel findet ihr unsere Schritt-Für-Schritt-Anleitung.

Oder ihr lasst euch von professionellen Dienstleistern (wie uns *hüstel*) unterstützen – gerade, wenn ihr selbst wenig Kapazitäten habt oder auch gleich im Anschluss konkrete Handlungsempfehlungen zur Optimierung eurer Usability erhalten wollt. 

Egal, ob selbst angegangen oder mit professioneller Unterstützung: User-Tests zahlen sich meist in kürzester Zeit aus – umso mehr, wenn dadurch eine fehlerhafte Entwicklung oder ausbleibende Konversion verhindert werden kann. 

Das richtige Timing für eure Benutzertests

Ihr glaubt, Benutzertests machen nur am Anfang eines Projekts Sinn? Falsch gedacht! Usability-Tests mit Nutzer*innen aus eurer Zielgruppe sind jederzeit sinnvoll. In Unterstützung oder im Voraus zu folgenden Arbeitsschritten bekommt ihr mit Benutzertests wertvolles Feedback:

  • Einführung neuer Features
  • Testen von Design
  • Testen von Formulierungen
  • Erschaffung neuer Unterseiten
  • Aufklärung ungleicher Auslastung von Buchungen
  • Relaunch eurer Website
  • …und noch viel mehr!

Da Benutzertests zu jedem Zeitpunkt durchgeführt werden können, gibt es dementsprechend viele verschiedene Arten von Tests und Prototypen.
Wichtig: Oft macht es Sinn, mehrmals zu testen
– vor der Entwicklung und ein zweites Mal, nachdem programmiert wurde.

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Pexels.com / Andrea Piacquadio

Step 1: User-Testing, wenn ihr noch ganz am Anfang steht

Gibt es eine Idee und eine ungefähre Skizze zu einer Website, aber das Konzept ist noch nicht in Stein gemeißelt? Dann verwendet ihr zur Durchführung eures Tests einen sogenannten „Lo-Fidelity Prototyp”. Das heißt: Ohne jeglichen Schnickschnack. Design und Effekte sind hier nicht von Interesse – es geht lediglich um das inhaltliche Erproben einer Idee.

Testing is is the biggest no-brainer, and the killer of most stupid ideas.

Avinash Kaushik

Der Prototyp kann ein Wireframe, also ein konzeptioneller Entwurf sein – oder eine ganz andere Form einer Erstversion oder eines Arbeitsmodells. Hauptsache, die Grundidee wird möglichst simpel abgebildet und lässt sich testen. Seid kreativ!

Ihr könnt also sofort testen, sobald ihr eine Idee oder ein Konzept in den Grundzügen ausgearbeitet habt, noch bevor es in die teure Umsetzung geht. Denn später sind tiefgreifende Änderungen nicht mehr so einfach möglich und meist kostenintensiv. Hier kommt auch Guerilla-Testing ins Spiel, dazu später mehr. 

Wenn ihr übrigens noch unsicher seid, ob ihr eure Geschäftsidee weiter verfolgen wollt, legen wir euch auch unseren Artikel Funktioniert deine Geschäftsidee? 9 Learnings aus Pat Flynns „Will it fly?” ans Herz. 

Step 2: Testing, wenn ihr bereits eine Website oder App entwickelt habt

Habt ihr eine bereits entwickelte oder sogar schon gelaunchte Website oder App, dann kommt der sogenannte „Hi-Fidelity Prototyp” ins Spiel. Hier treten die festgelegte User-Journey und das Visuelle in den Vordergrund. 

Habt ihr im ersten Schritt mit einem Wireframe eure Idee für eine App getestet, probiert ihr nun die App am echten Handy mit euren Nutzer*innen aus. Dieser Prozess kann und sollte immer wieder stattfinden, auch wenn das Testobjekt schon längst gelauncht ist, denn das User-Verhalten ändert sich mit der Zeit

Und:

Gutes Design orientiert sich immer am User.

Usability-Testing für NGOs? Unbedingt!

Feedback von echten Nutzer*innen erhalten? Natürlich macht das auch für NGOs, Stiftungen und Sozialunternehmer*innen Sinn. Wir würden sogar sagen, dass es gerade für euch umso wichtiger ist – Stichwort „Raus aus der Bubble!”… User-Tests helfen euch dabei, wenn es um Folgendes geht:

  • stockende Fundraising & Spenden-Kampagnen
  • neue Awareness-Kampagnen
  • Verbesserung eurer Social-Media-Präsenz 
  • Recruiting neuer Freiwilliger
  • Auffindbarkeit von relevanten Infos 
  • intuitives Storytelling
  • Anmeldungen bei Veranstaltungen
  • …und noch viel mehr!

NGOs und Usability-Tests passen also richtig gut zusammen. Statt einem Kampf durch den Menü-Dschungel können die Nutzer*innen eurer Website alle wichtigen Informationen über eure Organisation nach einem Benutzertest ganz intuitiv finden

People ignore design that ignores people.

Frank Chimero

Beschäftigt ihr euch gerade mit neuen Wegen des Fundraising und Spenden-Kampagnen und fragt euch, ob eure Mission und Vision von euren Nutzer*innen überhaupt verstanden wird?
Das könnt ihr ganz leicht herausfinden. Denn wer könnte euch eure Fragen besser beantworten als eure ZIelgruppe selbst!

Anleitung: User-Tests in 4 Schritten selbst durchführen

Testing mit Nutzer*innen setzen viele sofort mit kostspieligen und zeitaufwendigen Prozessen gleich. 
Doch wir wollen euch in diesem Artikel einen Weg zeigen, der so niederschwellig wie möglich ist. Innerhalb weniger Stunden kommt ihr so an konstruktives Feedback – und das in vier einfachen Schritten

1) Vorbereitung: Fragestellung & Testpersonen

  • Überlegt euch, was das Ziel der User-Tests ist.  
  • Erarbeitet eine konkrete Fragestellung und Testaufgaben. Beispielsweise: „Schaue dir drei Sekunden die Startseite an und sag mir, um was es geht” oder „Finde eine Veranstaltung, die dich interessiert und melde dich an”.
  • Findet fünf bis sieben Testpersonen, die möglichst nah an der Zielgruppe sind – selbst drei reichen für den Anfang.

2) Durchführung: Zuhören, zuhören, zuhören

  • Macht den Test online z.B. über Skype, Zoom oder whereby.com – gern mit Screensharing. So sind User-Tests auch im Home-Office möglich!
  • Simuliert ein möglichst realistisches Nutzer*innen-Verhalten – in unserem Fall wäre das: „Stell dir vor, ihr braucht eine neue Website, du googelst nach einer Web-Agentur und kommst auf unsere Website…” 
  • Wichtig: Bittet die Person, unbedingt laut zu denken und wirklich jeden scheinbar noch so unwichtigen oder „dummen” Gedanken auszusprechen, der ihr in den Kopf kommt… 
  • …und ihr hört zu, ohne zu kommentieren.
  • Stellt keine Suggestivfragen oder legt eurer Testperson nichts in den Mund. 
  • Macht den Test auf dem Gerät, welches die Zielgruppe am meisten nutzt. Oder wenn ihr genug Kapazitäten habt, testet auf verschiedenen Geräten
  • Schreibt entweder mit oder nehmt den Test auf.

3) Analyse: Auch mal um die Ecke denken

  • Nicht zu lange mit der Auswertung warten.
  • Entwickelt aus der Gesamtheit des Feedbacks kreative Empfehlungen – so optimiert ihr eure Ergebnisse positiv. 
  • Und immer auch an das positive Feedback denken!

4) Optimierung: Das Allerwichtigste!

  • Geht zeitnah konkrete Schritte an, um das getestete Projekt zu optimieren. 
  • Findet lieber kleine und temporäre Lösungen, statt in einem Rundumschlag alles komplett erneuern zu wollen und davon überfordert zu sein.  
  • Entwickelt einen ganz konkreten Action-Plan: Wer macht was bis wann! 

FAQ zu User-Tests

Wie finden wir geeignete Testpersonen?

Es kann schwierig sein, eine breit gefächerte Auswahl an Testpersonen zu finden, wenn eure Zielgruppe sehr divers ist: Student*innen lassen sich beispielsweise leichter finden als Top-Manager*innen. 

Wir sind der Meinung: Usability-Testing macht immer Sinn, auch mit wenigen Usern – und auch wenn nicht alle Testpersonen zu 100% eurer Zielgruppe entsprechen. Jede außenstehende Person kann euch wertvolle Einblicke in allgemeine Verständnis- und Usability-Probleme geben. Falls ihr Hilfe braucht sind wir da und unterstützen euch gern beim Finden geeigneter Testpersonen. 

Fragt im Zweifelsfall einfach mal in eurem Freundes- und Bekanntenkreis nach, statt das User-Testing gar nicht durchzuführen. Hilfreich kann es auch sein, den potentiellen Testpersonen ein kleines Dankeschön für ihre Zeit anzubieten.

Müssen wir uns mit den Testpersonen treffen – oder geht das auch online?

Sehr oft führen wir User-Tests remote durch, also ortsunabhängig. Das bedeutet, wir kommunizieren mit der Testperson via Internet oder Telefon. Das klappt genauso gut, spart Zeit sowie Anfahrtswege, ist im Zweifel klimafreundlicher und funktioniert auch zu Zeiten von Home-Office super… 
Wir empfehlen zur Durchführung zum Beispiel whereby, Zoom oder Skype, weil ihr hier:

  • die Mimik der Testpersonen per Video beobachten könnt 
  • den Screen teilen und sehen könnt, wie sich zum Beispiel beim User-Testing einer Website der Mauszeiger bewegt und welche Bereiche angesteuert werden.

Auch können die Konversationen aufgezeichnet werden, was ihr allerdings vorher mit den Proband*innen absprechen solltet. 

Wie entscheiden wir, was aufgrund des User-Feedbacks optimiert werden muss? 

Denkt daran, dass nicht alle User gleich denken. Wenn ein unerwartetes Problem aufgetaucht ist, überprüft, ob es bei anderen Usern wiederkehrt. Und falls die Liste lang ist…
…helfen euch diese Fragen dabei, die zu empfehlenden Maßnahmen zu priorisieren:

  •  Welche Probleme tauchen häufig auf? 
  • Welche Probleme sind schwerwiegender als andere und halten zum Beispiel ganz aktiv von einer Buchung ab? 
  • Welches Feedback kann gegebenenfalls ignoriert oder erst später angegangen werden?

Entwickelt möglichst konkrete Lösungsvorschläge für die gefundenen Probleme!

Beispiel: 

  • Problem: Die Information für unser Angebot wurde nicht schnell genug gefunden. 
  • Optimierungsmaßnahme: Sichtbaren Call-To-Action auf der Startseite unterbringen

Ist eine Runde User-Testing ausreichend? 

Einmal ist besser als keinmal! Jedoch empfehlen wir, Usability-Testing als kontinuierlichen Prozess zu verstehen.

Nach der Umsetzung eurer Optimierungen kann es also in die nächste Testrunde gehen, um herauszufinden, wie die Änderungen bei eurem Zielpublikum ankommen, und ob eure Usability-Probleme nun gelöst wurden – oder vielleicht sogar neue dazugekommen sind.

Wie können wir tiefer in das Thema „User-Testing” einsteigen?

User-Testing ist kein Hexenwerk, keine Sorge! Das Wichtigste sind Neugierde und Offenheit.
Wir können euch folgende Artikel empfehlen, wenn ihr euch noch unsicher seid und gerne intensiver mit dem Thema auseinandersetzen wollt:

Falls ihr Hilfe bei der Vorbereitung und Durchführung wollt, schreibt uns gern. Wir lieben Usability-Testing – und unterstützen euch gerne! :-)

user-test-web-diy
gratisography.com / Ryan McGuire

„Guerilla-Testing” hört sich cool an – macht das für uns Sinn?

Der Name ist Programm: Guerilla-Tests finden ausschließlich in der echten Welt und mit zufällig ausgesuchten Testpersonen statt. Hier geht es um die Antwort auf die Frage: „Funktioniert meine Idee oder nicht?” 

Ihr habt einen Prototyp, eure Testfragen und den Mut auf wildfremde Menschen zuzugehen? Dann setzt euch in ein gut besuchtes Café und testet drauf los. Keine Scheu vor Abweisungen ist hier die Devise! Ihr müsst damit rechnen, dass viele Leute die Durchführunge eures Test ablehnen werden. Aber bloß nicht aufgeben!

Denn euer Durchhaltevermögen macht sich bezahlt: Beim Guerilla-Testing merkt ihr schnell, ob die im Büroraum entsprungenen Ideen in der echten Welt eine Chance haben. Das macht vor allem dann Sinn, wenn eure Idee nicht nur für eine ganz bestimmte Zielgruppe interessant sein soll, sondern für ein breites Publikum. 


  • Testdauer: 5-10 Minuten
  • grobe Überprüfung eurer Ideen im Anfangsstadium
  • Feedback: Funktioniert Idee? Ja oder nein

Seid ihr neugierig geworden? Dann bekommt ihr in dem Artikel Guerrilla-Testing: Mutig und rasch zu Resultaten einen tieferen Einblick ins Thema.

Fazit: We <3 Testing

Versprochen: Wenn ihr User-Tests durchführt, kommt ihr garantiert zu neuen Einsichten und habt einigen Webprojekten schon etwas voraus. Usability-Tests sind nämlich immer noch nicht weit genug verbreitet, obwohl diese Methoden mit wenig Aufwand Großes erreichen können. 

Und last but not least: Die Durchführung kann richtig Spaß machen!Doch was wir an User-Tests am besten finden? Echte Menschen mit ihren Wünschen und Bedürfnissen stehen im Vordergrund und ihr lernt eure Zielgruppe besser kennen.

Genau darum geht es bei gutem Design:

Always start from a place of empathy!

Ihr möchtet einen professionellen User-Test durchführen? Sprecht uns an!

Wir helfen euch bei der Wahl der Proband*innen, der Entwicklung der Testfragen und geben euch Tipps & Tricks im Umgang mit Tools und der Umsetzung von Optimierungsempfehlungen. Oder wir führen den Test gleich selbst durch – inklusiver cleverer Empfehlungen zur Optimierung eurer Usability.