www & ich
Äinsch, Isa & Matthi

Wir bei allcodesarebeautiful haben alle unsere ganz eigene Liebesbeziehung zum Netz: Matthi, der sich hier täglich neue Inspirationen für seine Arbeit als Grafikdesigner holt; Isa, die dank des Webs im Winter vom warmen Süden aus arbeiten kann; und Äinsch, für die die virtuelle Welt zum Treffpunkt mit Freund*innen und Familie geworden ist, seit sie in Costa Rica lebt.

Wir gehören zu der Generation, die noch beides kennt – die Welt ohne und die Welt mit Internet. Deshalb faszinieren uns nach wie vor die unbegrenzten Möglichkeiten des digitalen Zeitalters. Doch natürlich wissen wir auch um die Kontroversen, die es mit sich bringt: Die ständige Erreichbarkeit wurde schon bei der Einführung des Handys heiß diskutiert (gar nicht so lange her!) und dank des Internets ist der „gläserne Mensch” für Regierungen und Großunternehmen zur langerträumten Realität geworden – für viele Nutzer*innen hingegen zum realen Alptraum.

Über www & ich

In unserer neuen Blogserie www & ich wollen wir herausbekommen, was das Internet für Euch bedeutet. Den Anfang machen wir selbst und sprechen über ein paar Aspekte, die uns am Netz wichtig sind. In den nächsten Wochen und Monaten werden wir auch viele andere zu Wort kommen lassen: Freund*innen und Menschen, die wir gut finden, tolle Projekte und Personen mit einem ganz besonderen Verhältnis zum Web – es wird also spannend!

Dein Internet visualisiert: als Foto, Skizze oder Mindmap?

Isa: Das Internet ist ein bisschen wie mein alter Globus – kompakt und alles schnell zugänglich, aber er ersetzt das Reisen nicht. ;-)

Äinsch: Das Internet ist zu meinem Kiez mutiert, den ich hier im Dschungel nicht mehr so habe wie früher in Berlin. Da häng ich mit Freund*innen und Familie stundenlang auf Skype rum und trink Wein, treffe mich früh morgens auf einen Kaffee zum Google Hangout mit meinen Kolleg*innen. Oder ich shoppe Gimmicks und Bücher, die ich hier nicht so einfach bekommen kann und lese die Tageszeitungen von Orten, die mich interessieren.

Foto: Katharina Wieland Müller / pixelio.de

Matthi: Eine Riesenbibliothek. Ich liebe es zu lesen und Dinge zu wissen. Im Internet kann ich mir fast alles über die Welt anlesen – ob über Andromeda, während ich ein Science-Fiction-Buch lese, oder über bestimmte Personen, weil ich mich zum Beispiel mit einem politischen Thema auseinandersetze.

Wie lang bist du täglich online, und warum?

Isa: Mindestens 6 Stunden pro Tag, das hat definitiv seine Nachteile. Doch das Web gibt mir auch neue Freiheiten, z. B. kann ich von überall aus arbeiten, egal, ob im Coworking-Space in Tunesien oder am Strand von Fuerteventura.

Äinsch: Viel zu lange, meine Freund*innen nennen mich schon Cyborg. Aber neben der Arbeit findet im Netz eben auch ein großer Teil meines Privatlebens statt. Dank meines fensterlosen Dschungelbüros, dass nur 200 Meter von einem großartigen Karibikstrand entfernt ist und unserem kleinen Homestay-Business hab ich aber nach wie vor genügend Real Life, sonst wär’s ein bisschen gruselig.

Matthi: Sicherlich mindestens fünf Stunden täglich unter der Woche. Ob es nun E-Mails sind oder zwischendurch der Kontakt über soziale Netzwerke, vor allem, da ich zurzeit länger in Australien bin.

„Always on“ – macht dich das mobile Internet freier oder abhängiger?

Isa: Ich bekomme keine Arbeitsmails über’s Handy, von daher: Es macht mich freier!

Äinsch: Meine Abgrenzung funktioniert noch nicht ganz so gut, ich glaub es erfordert einfach viel Selbstorganisation und -disziplin, damit man wirklich nur die Vorteile davon mitnimmt.

Matthi: Das hängt auch immer von der Situation ab – ich genieße genau so Zeiten ohne Internet. Aber in meinem Fall einfach von überall arbeiten zu können, ist schon ein großer Gewinn.

Bist du durch Social Media sozialer oder unsozialer geworden?

Isa: Sozialer,  denn meine Freund*innen sind auf der ganzen Welt verstreut und so kann ich zumindest online was von ihnen mitbekommen. Generell glaube ich aber, dass sich vor allem die Form ändert, nicht unbedingt das Maß der Kommunikation. Hat man früher täglich mehrmals telefoniert, wurde das irgendwann durch SMS abgelöst und jetzt eben durch exzessives Facebook Messaging.

Äinsch: Sozialer sicher nicht, ich finde es nach wie vor sehr oberflächlich, aber anstatt immer nur von Freund*innen zu hören, wenn die mal Zeit haben, eine persönliche Mail zu schreiben, find ich’s gut, sie stattdessen einfach über einen kurzen Post oder eine Momentaufnahme aus ihrem Leben mitzubekommen.

Matthi: In Zeiten, wo ich vielleicht weniger Bock auf Trubel habe, kann ich ganz bequem Kontakte halten, ohne weg vom Fenster zu sein. Ich halte im Unterschied zu früher vielleicht auch eher Kontakt zu Menschen, die nicht in meiner Nähe wohnen. Aber es hat eher nichts mit meinem Sozialverhalten im Allgemeinen zu tun.

Dein erstes Mal im Netz?

Isa: Das war ganz langweilig bei einem Redaktionspraktikum. Die E-Mail-Adresse habe ich immer noch, die 15 Jahre alten E-Mails sind ein bisschen wie ein altes Tagebuch.

Äinsch: Ich glaube, das war an der Uni und ich erinnere mich noch, dass das anfänglich nicht wirklich ein Augenschmaus war. Ich wünschte, ich hätte damals Screenshots von all diesen ersten, hinkenden Gehversuchen von Webseiten gemacht, das wäre jetzt sicher sehr unterhaltsam.

Matthi: Gute Frage … Ich glaube, ich hatte mir 1997 meine erste Emailadresse eingerichtet. Viel mehr Internet war da anfangs für mich noch nicht drin, weil auch eine Kostenfrage mit Modem und der teuren neuen Telekom.

Internet und Politik: Demokratisierung oder Totalüberwachung?

Isa: Seit der letzten re:publica denk ich an Überwachung. Da hat man es geschafft, das Thema halbwegs „sexy“ aufzubereiten, siehe großartige Vorträge wie Let’s talk about sex baby, let’s talk about PGP. Selbst bei Überwachung macht impotent habe ich was gelernt, trotz des Titels: Auch wenn ich staatliche Überwachung blöd finde, kann ich Google und Facebook noch irgendwie mögen, Stichwort (kein) staatliches Gewaltmonopol!

Äinsch: Ich für meinen Teil ignoriere nach wie vor die ganze Debatte größtenteils, weil ich das Gefühl habe, dass mich das sonst gänzlich lähmen würde. Stattdessen versuche ich, mich auf die etwas positiveren Nebenwirkungen zu konzentrieren, die das Netz mit sich gebracht hat: sehr viel mehr Zugang zu alternativen Nachrichten und Netzwerken und eben die Vernetzung von Einzelnen und Gruppen, die dann auch in der analogen Welt etwas bewirken kann.

Matthi: Überwachung gibt es, im Größeren und Kleineren. Ich versuche mich da so umsichtig zu verhalten, wie es geht, ohne paranoid zu werden. Ich hatte allerdings noch keine direkt nachteilige Situation z.B. mit Informationen, die jemand über mich gesammelt hatte. Aber ich liebe es, wichtige Stimmen von Menschen zu lesen, die nicht hauptberuflich Politik machen, an der Uni lehren oder Konzerne leiten, die vor zehn Jahren nirgends ein Publikum hätten erreichen können, und sehe das als große Stärke.

Die Zukunft des Internets – wohin geht die Reise für dich?

Isa: Ich glaub immer noch an das Gute im Netz :-) Persönlich versuche ich, als „digitale Nomadin“ (um mal dieses Modewort zu benutzen) ein Moment der Nachhaltigkeit mitzudenken – also dass es um mehr geht, als in ein Land mit möglichst niedrigen Lebenshaltungskosten zu reisen und einen möglichst großen CO2-Fussabdruck zu hinterlassen. Ich mag die Idee einer „digital global community“.

Äinsch: Mit Google Glasses und Co. hat das alles ja schon extrem futuristische Züge angenommen, intelligente Autos, intelligente Häuser – ganz ehrlich, keine Ahnung wo das noch hinführt ;)

Matthi: Ich empfehle „Look to Windward“ von Iain M. Banks. Da wird eine im Großen und Ganzen funktionierende anarchistische, hedonistische Gesellschaft gedacht, in der alles Wissen allen zugänglich ist und von allen genutzt werden kann. Will ich!

Deine Vision einer digitalen Revolution?

Isa: Ich wünsche mir mehr konstruktive (und unüberwachte) Kommunikation und freien Zugang zum Netz, somit auch zu Bildung, Wissen und Kultur – und zwar unabhängig vom Wohnort oder Geldbeutel. Schnelles Internet für alle!

Äinsch: Das Internet nicht nur Plattform von großen Konzernen und gestandenen Internet-Professionals ist, sondern alles noch einfacher wird und auch für Einzelpersonen und Kleinunternehmen überall auf der Welt eine Plattform bietet.

Matthi: Zugang für alle. Also alle 7 Milliarden. Und dann: Lernen! Auch alle! Manche mehr, manche weniger … ;)

www & du: deine Beziehung zum Netz in einem Satz.

Isa: Ich mag es.

Äinsch: A never-ending sailing/surf trip…

Matthi: Wird nie langweilig!